Was bedeuten die 4 Zahlen auf den Disc Golf Scheiben?

Du bist neu im Sport und wunderst dich, was die Zahlen auf den Disc Golf Scheiben bedeuten? Hier gibt es alle Informationen zu den 4 Kennzahlen (oder auch Flugwerten, Flightratings oder Flight Numbers genannt) auf den Scheiben.

Einleitung

Der Einstieg in den Sport war so ziemlich bei allen Disc Golfern ähnlich. Man kommt mit dem Sport bei Freunden in Kontakt, wird total angefixt und möchte sich schon bald eigene Scheiben kaufen. Aber was bedeuten eigentlich die Zahlen, die so ziemlich auf jeder Scheibe stehen und in jedem Shop aufgelistet werden? So viel können wir schon einmal verraten: sie sagen dir, wie die ideale Flugbahn dieser Scheibe aussehen sollte. Die Wahrheit ist aber deutlich komplexer und kann dir helfen, die richtigen Scheiben für dein eigenes Spiel zu finden.

In diesem Blogbeitrag klären wir sowohl die Eigenschaften und Aussagekraft der 4 Kennzahlen, als auch welche Schlüsse sich daraus für dich ergeben.


Allgemein

Das Wichtigste vorweg: die 4 Werte sind nicht genormt! Zwar versuchen die Hersteller die Festlegung der Bewertung der Flugeigenschaften so vergleichbar wie möglich zu gestalten, das gilt aber nur innerhalb des Portfolios eines Herstellers. Das bedeutet konkret, das eine Scheibe mit 5’er Speed von Discmania eine andere Abwurfgeschwindigkeit benötigt, als eine 5’er Speed Scheibe von Innova. Das hört sich jetzt aber auch schlimmer an als es ist, unser Erfahrung nach sind die Werte schon sehr vergleichbar, es ist aber wichtig das du das weißt! Aus diesem Grund schwören einige Spieler unter anderem auch darauf, nur Scheiben eines Herstellers zu werfen.

Leider kommt es aber noch schlimmer. Nicht nur das die 4 Kennzahlen herstellerübergreifend nicht wirklich vergleichbar sind - sogar innerhalb eines Herstellers können sich gravierende Unterschiede ergeben. Das liegt hauptsächlich an 2 Gründen:

Plastik

Du hast bestimmt schon gemerkt, dass es die gleiche Scheibe in unterschiedlichen Plastik-Ausführungen gibt. Zur Verdeutlichung nehmen wir uns einmal die Innova Valkyrie als Beispiel. Die Valkyrie gibt es unter anderem im günstigen DX Plastik, als auch im sehr hochwertigen G-Star Plastik. Das DX Plastik ist deutlich steifer als das G-Star Pendant. Beide Scheiben werden in der selben Form hergestellt, indem das heiße Plastik in die Form gespritzt wird. Beim Auskühlen außerhalb der Form verformen sich aber beide Scheiben unterschiedlich stark und führen zu einem unterschiedlichen Flugverhalten, obwohl beide mit denselben Flugwerten gestempelt werden. Als Faustformel kann man sich hierbei merken, dass Premium Plastik eher (!) dazu tendiert formtreuer zu bleiben als günstiges Plastik. Ausnahmen bestätigen hier die Regel.

Daraus folgt, das premium Plastik Varianten einer Scheibe (man spricht hier auch von einer Mold) in aller Regel leicht stabiler sind als ihre Pendants in günstigerem Plastik.

Run

Da alle Scheiben maschinell produziert werden, produzieren die Hersteller ihre Scheiben in sogenannten Runs (also Durchläufen), bei denen sie eine bestimmte Scheibe für eine beliebige Zeit produzieren und dann mit der nächsten Scheibe weitermachen. Das führt dazu, das beispielsweise die Innova DX Valkyrie 3 mal in einem Jahr für jeweils 2 Tage produziert wird (die Zahlen sind rein fiktiv gewählt). An diesen 3 Zeitpunkten im Jahr kann das Klima in Hinsicht auf Temperatur und Luftdruck teilweise deutlich voneinander abweichen, was Auswirkungen auf die Formveränderung im Kühlprozess einer Scheibe hat.

Daraus folgt, das Scheiben derselben Mold und im selben Plastik aus unterschiedlichen Runs auch unterschiedlich fliegen können. Daher ist es für einige Spieler sehr wichtig, Scheiben eines bestimmten Runs zu erhalten, damit sie exakt ihr Flugverhalten vorhersagen können.

Gut zu wissen ist noch, dass sich bei weitem nicht alle Hersteller auf die Verwendung der 4 Kennzahlen geeinigt haben. So haben einige Hersteller keine Angaben auf den Scheiben oder sogar 5 Kennzahlen, die die Flugeigenschaften beschreiben. Du fährst aber sehr gut damit, ein Grundverständnis für die 4 Kennzahlen zu entwickeln, da du hiermit ein Gefühl für den Großteil der auf dem Markt erhältlichen Scheiben entwickelst.

Star Destroyer

Speed (1. Kennzahl)

Genug Vorgeplänkel, jetzt geht es zu den Kennzahlen. Die erste der 4 Zahlen auf einer Disc Golf Scheibe beschreibt den Speed oder die Geschwindigkeit. Damit du aber nicht den gleichen Fehler machst wie sicherlich die Hälfte aller neuen Spieler (einschließlich mir selbst) ein Wort der Warnung: eine Speed 13 Scheibe fliegt nicht automatisch weiter als eine Speed 5 Scheibe! Deine erste Scheibe sollte also entgegen deiner Intuition nicht ein größtmöglichen Speed haben, sondern eher einen möglichst geringen. Aber wieso ist das so?

Stell dir die Geschwindigkeit einer Scheibe nicht als die Geschwindigkeit vor, mit der sie dann auch automatisch fliegen wird, sondern eher als die Abwurfgeschwindigkeit die sie für ihre optimale Flugbahn benötigt. Hierzu gibt es viele unterschiedliche Fausformeln dazu, welche Scheibe für dich die Richtige ist. Wir möchten dir dazu die Zwei nennen, die uns am meisten geholfen haben.

Wir raten dir anfangs möglichst neutrale Putter und Midranges zu verwenden (also geringer Speed und Turn und Fade nahe der 0). Schaffst du es diese Scheiben sauber und flach etwa 50-70m weit zu werfen, kannst du dich an Fairway Driver ran wagen (ca. ab Speed 8 bis 10).

Die Distanz deines Wurfes sollte sich in etwa (!) an dem 10fachen des Speeds der Scheibe orientieren. Für einen 40 Meter Wurf sollte also locker ein Putter ausreichen. Zu der oben gezeigten Destroyer (12’er Speed) solltest du also erst für Würfe um die 120m und mehr greifen.

Dazu ist noch wichtig zu wissen, das es durchaus Gründe geben kann von diesen Faustformeln abzuweichen. Ein Beispiel dafür wäre ein Wurf auf kurzer Entfernung (beispielsweise 50m) mit einem Driver, um den Flachen Rand für einen Skip über den Boden zu nutzen.

Es sollte für dich ein Warnsignal sein, wenn deine Midranges genausoweit fliegen wie deine Driver. Das bedeutet ganz einfach, das deine Technik noch nicht ausreicht um die Abwurfgeschwindigkeit zu erzeugen, die dein Driver benötigt. Schnappe dir deine Putter und Midranges, stell dich auf ein offenes Feld und arbeite an deinem Timing und deiner Technik und du wirst bald merken das deine Würfe immer weiter fliegen.

Andersherum können Scheiben auch zu hart geworfen werden. Fangen deine neutralen Midranges beispielsweise bei einem flachen Wurf an, kurz nach Abwurf stark nach rechts* zu turnen, kann es sein das sie zu hart geworfen wurden und auch wieder von ihren optimalen Flugverhalten abzuweichen.

* Beispiel anhand eines Rechtshänder-Rückhandwurfes.

Glide (2. Kennzahl)

Der Glide (oder das Gleiterverhalten) einer Scheibe gibt an, wieviel Auftrieb die Scheibe bei einem ordentlichen Wurf erzeugt. Je höher die Zahl ist (in der Regel ist sie zwischen 1 und 6), desto leichter erzeugt die Scheibe Auftrieb und gleitet weiter. Bevor du jetzt aber nur noch Scheiben mit einem Glide von 5 oder mehr kaufst, lohnt es sich darüber nachzudenken welche Vor- und Nachteile sich daraus ergeben.

Vorteile eines hohen Glide Wertes:

  • Die Scheibe wird tendenziell weiter fliegen

  • Die Scheibe wird tendenziell während des Fluges an höhe Gewinnen

  • Bei Rückenwind Situationen fehlt es der Scheibe an natürlichem Auftrieb, das kannst du mit hohen Glide-Werten ausgleichen und die maximale Distanz rausholen

Nachteile eines hohen Glide Wertes:

  • Die Scheibe wird windanfälliger

  • Dadurch kann dein Trefferfeld größer-, sprich deine Würfe teilweise drastisch ungenauer werden

  • Speziell bei “schnellen Greens” also kurzgeschnittenem Gras oder Beton, kann eine schnelle Scheibe mit hohem Glide Wert leicht über das Ziel hinausschießen

Einsteiger raten wir daher eher zu Scheiben mit hohen Glide-Werten, um die geringe Abwurfgeschwindigkeit etwas auszugleichen und an Distanz auf Kosten der Genauigkeit zu gewinnen. Spieler mit höheren Abwurfgeschwindigkeiten werden in der Regel Scheiben mit geringeren Glide-Werten bevorzugen.

Flugbahn einer Roc Disc Golf Scheibe

Turn (3. Kennzahl)

Okay, wir wissen nun was Speed und Glide bedeuten. Die beiden Kennzahlen sind relativ intuitiv, jetzt geht’s ans richtige Verständnis im Flugverhalten einer Scheibe.

Die Beispiele dazu werden sich an einem Rückhandwurf eines Rechtshänders orientieren, Linkshänder spiegeln einfach die Richtungsangaben.

Jede Scheibe will grundsätzlich am Ende ihrer Flugbahn aufgrund ihrer Rotationsrichtung nach links abkippen. Aus diesem Grund will ein Vorhandwurf im übrigen auch rechts Enden. Falls du aber schon einmal mit erfahreneren Spielern gespielt hast, oder die Profis auf YouTube gesehen hast, wird dir sicher schon aufgefallen sein, dass auch ein Rückhandwurf schonmal nach rechts abdriften kann. Wie kann das sein? Nun, die Flugbahn einer Scheibe lässt sich in mehrere Flugphasen unterteilen, und genau da kommt der Turn ins Spiel.

Unterstabile Scheiben

Der Turn beschreibt die längste Flugphase deiner Scheibe, etwa kurz nach Abwurf bis kurz vor Ende des Fluges. Wird die Scheibe hart genug geworfen und ist sie dafür ausgelegt, kann eine Scheibe auch bei einem Rückhandwurf nach rechts driften, bishin zu einem Roller, trotzdem die Scheibe flach abgeworfen wurde. Man spricht dabei von unterstabilen Scheiben mit einem negativen Turn (-1 bis -4). Beim Speed haben wir ja schon gelernt, das die Scheibe dafür aber auch mit entsprechender Geschwindigkeit geworfen werden muss, um ihr vorgesehenes Flugverhalten auszuprägen.

Wir haben es schon erlebt, das Spieler enttäuscht waren, weil unterstabile Scheiben nicht wie gewollt nach rechts abdriften und lange “turnen”. Das wird höchstwahrscheinlich aber nicht an der Scheibe liegen, sondern vielmehr an der mangelnden Abwurfgeschwindigkeit. Die Wahrheit kann hier manchmal wehtun. Bitte am besten einmal einen erfahreneren Spieler deine Scheibe zu werfen um zu sehen, ob sie für ihn oder sie richtig fliegt, dann hast du eine Bestätigung und weißt woran du arbeiten kannst.

Überstabile und neutrale Scheiben

Neben unterstabilen Scheiben (manchmal auch instabil genannt), gibt es auch neutrale Scheiben (manchmal auch stabil genannt) mit einem Turn von 0 oder -1 und überstabile Scheiben mit einem Turn von 0 bis 1. Überstabile Scheiben erkennt man aber deutlicher am Fade - dazu gleich aber mehr.

Auf dem Bild oben kannst du sehen, wie eine Scheibe mit einem neutralen Turn von 0 für Anfänger und Fortgeschrittene fliegen sollte.

Wind hat extremen Einfluss auf die Flugbahn der Scheibe. Warum das so ist und was das für dich bedeutet, werden wir aber in einem anderen Blogbeitrag beleuchten. So bleibt dieser Beitrag übersichtlich.

Fade (4. Kennzahl)

Der Fade beschreibt die letzte Flugphase der Scheibe, in der sie schon deutlich an Geschwindigkeit verloren hat. Wir haben beim Turn ja schon geklärt, das jede Scheibe am Ende ihres Fluges nach links möchte. Der Fade beschreibt wie stark dieses Verhalten ausgeprägt ist.

Eine unterstabile Scheibe wirst du dabei kaum am Fade erkennen, da auch diese Scheiben einen positiven, minimal einen neutralen Fade haben (wie gesagt, jede Scheibe will links enden). Wirklich überstabile Scheiben erkennst du aber gut an einem Fade von 3 oder mehr. Hinzu kommt noch das schnelle Scheiben oft stabiler erscheinen, weil fehlende Geschwindigkeit sich in der Stabilität einer Scheibe ausdrückt.

Warum sollte man aber nun stabile Scheiben verwenden, wenn diese doch die natürlichen Eigenschaften der Scheibe verstärken und schneller links enden und damit auch kürzer werden?

Ganz einfach: Stabile Scheiben fliegen am genauesten und geben dir damit reproduzierbare Ergebnisse - auch in windigen Situationen.

Aus diesem Grund spielen Profis gerne sehr stabile Scheiben. Bei ihnen reicht die Armgeschwindigkeit aus, um trotz der Stabilität große Weiten zu erreichen und das noch mit enormer Genauigkeit. Als Anfänger solltest du aber nicht den Fehler machen und ohne darüber nachzudenken dieselben Scheiben werfen. Lasse dich davon aber nicht unterkriegen und spiele anfangs lieber langsamere und unterstabile Scheiben, du wirst sofort Ergebnisse sehen, versprochen!

Zusammenfassung

Puhhh, das war echt viel und teilweise echt nerdie! Aber du wirst sehen, sobald du deine Scheiben besser verstehst, verbessert sich auch dein Spiel. Und sobald du jede deiner Scheiben einige hundert mal geworfen hast, wirst du es im Gefühl haben welche Wahl richtig ist. In diesem Stadium wirst du gar nicht mehr an die Flugzahlen denken sondern einfach wissen wie sich die Scheiben verhalten werden. Noch ein Tipp am Rande: das Flugverhalten deiner Scheibe wird sich über die Lebensdauer verändern. Besonders Baumtreffer führen dazu, das deine Scheibe mehr Dome bekommt (die Flugplatte wird runder), was deine Scheibe instabiler werden lässt. Beachte das also auch bei deiner Scheibenwahl.

Mach dich von den Zahlen auf jeden Fall nicht verrückt, du wirst schnell ein Gefühl dafür entwickeln welche Art von Scheiben dir am meisten Spaß machen! Anfängern raten wir trotzdem eher unterstabile und langsamere Scheiben zu wählen, während erfahrene Spieler alle Arten von Scheiben besitzen sollten, um für jede Situation auch die passende Scheibe zu haben. Soll heißen, unterstabile Scheiben sind keinesfalls Anfängerscheiben, sie sind auch für erfahrene Spieler eine wichtige Komponente.


Nun zu euch, welche Scheiben spielt ihr am liebsten und was haltet ihr von den Flugzahlen? Lasst uns doch gerne ein Kommentar da!

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